Ein heißer Sommertag im Nollinger Kindergarten

 

Die Blätter der Bäume bewegen sich im frischen, warmen Morgenwind. Vögel zwitschern in den Zweigen. Die Feuerstelle hütet schweigend schwarze Scheite. Brunnenkiesel zeigen noch ihre trockene, graue Farbe und in der Matschgrube ist das Wasser bis auf den feuchten Grund versickert. Im Sandkasten finden sich Spuren gestrigen Spieles. Eidechsen in der Trockenmauer wollen von der Sonne geweckt werden. Hoch hinaufragend hält das Baumhaus Ausschau nach den ersten Kindern. Ein Eichhörnchen springt aus den Ästen und hilft ihm dabei.

Unter dem Lindenbaum ist der Tisch gedeckt: große, runde Kieselsteine, Farbe und Pinsel.

Sarah öffnet das Gartentor. Kaum begrüßt, weht sie schon wie ein vom Wind gefegtes Blatt überall durch und in alle Ecken. Schließlich nimmt sie am Tisch Platz, sucht sich ihren Stein aus und verschönert ihn hingebungsvoll mit Pinsel und Farbe. Im Licht der aufsteigenden Sonne leuchten die gelben Tupfen auf blauen Grund besonders schön.

Anton, Elias und andere Kinder betreten den Garten. Jeder nimmt in seiner Weise erneut von allem Vertrauten Besitz, findet seine eigene Anknüpfung. Samuel schaukelt erst einmal bis zum Himmel hinauf und Robin dreht den Wasserhahn am Brunnen auf. Jeder findet zu seiner Zeit seinen Kieselstein auf dem Tisch unter dem Baum, kommt zur Ruhe und malt ihn an. Zum Trocknen liegen sie beieinander oben auf dem Sonnenhügel.

Die Matschgrube ist über ihren unterirdischen Zulauf mittlerweile angeschwollen. Ein Staudamm wird errichtet. Alle Hände helfen mit, doch schließlich ist fast kein Halten mehr. Robin ruft:" Wasser Marsch!". Der Damm bricht und füllt schäumend die Grube.

Mit vereinten Kräften wird eine Betonmischwanne herbeigezerrt und ins Wasser gesetzt. Tim wird Fährmann und rudert mit Hilfe zweier Kinder hinüber(schaukelt sie hin und her).

Mia, unterdessen schöpft mit einer kleinen Schaufel sorgfältig den braunen Schaum ab und sammelt ihn in einem Tröpfchen.

 

Wasserstop (Wasserhahn wird wegen Überflutungsgefahr abgedreht)!

 

Die Kinder dürfen ihre Schuhe und Strümpfe ausziehen. Ein Grüppchen unter der Leitung der resoluten Anna stellt alle Schuhe nebeneinander und füllt sie mit Kies: Der Steinschuhladen ist geöffnet.

Sina war besonders fleißig und hat im Unterholz schon ein ganzes Sandförmchen voll Walderdbeeren gesammelt. Damit füttert sie fürsorglich die hungrigen Mäulchen ihrer Krabbelgruppe, Luisa und Theo (2 Jahre).

Mich und Tim sind den Eidechsen auf der Spur, folgen ihnen von Schlupfloch zu Schlupfloch und sind gerade noch davor zurückzuhalten, die Mauer komplett auseinander zu nehmen.

Lisa und Jonathan arbeiten mit Schutzbrille, Hammer und Meißel schwer im Steinbruch (Bruchsteinhaufen).

Der Schauplatz, Matschgrube, zeigt jetzt ein anderes Erscheinungsbild. Das Boot ist an Land. Stattdessen ist mit Hilfe von Baumstümpfen, Steinen und Brettern eine Brücke entstanden, die Mutige zum Überqueren einlädt.

Robin steht am Wasser und leitet die Zaghafteren an der Hand hinüber.

 

Ein Lied ertönt: Pausenzeit -  Toilettengang und Frühstückszeit mit großem Appetit und Joghurtspeise unterm Lindenbaum.

 

Mit Hilfe geschickter Kinderhände werden nach dem Essen die Schälchen am Brunnen gewaschen und zum Trocknen in die Sonne gestellt. Die brennt nun mit aller Kraft. Selbst der reichlich Schatten spendende Garten entbehrt nunmehr jeglicher Kühle.

Was den Kindern zu warm ist, wird auf den Kleiderplatz gelegt und nun ist Badezeit. "Volle Pulle" füllt sich die Matschgrube erneut mit Wasser. Die alte Brücke verwandelt sich in ein Sprungbrett. Robin als Erster, gefolgt von Samuel und Jonathan springen unter Brüllen und Juchzen hinein, dass es nach allen Seiten spritzt, wieder und wieder.

Gerechtigkeit muss sein; Auf die Springzeit folgt das Planschend für gemäßigte Gemüter; Die "Wilden" müssen weichen. Doch die haben noch nicht genug, d.h. der Bewegungsdrang braucht noch ein neues Betätigungsfeld: Die Betonmischwannen  kommen jetzt mehreren zum Einsatz, werden mit Wasser gefüllt in eine Reihe gestellt, dazwischen Bänke. Nun beginnt der Spaß: Springen, Plantschen, Klettern - einer nach dem anderen, weitere Kinder gesellen sich dazu. Wieder springen, Platschen, Klettern - immer aufs Neue unter Ausrufen unbändiger Lebensfreude.

Im trockenen Sand haben sich Mark und Tim ein tiefes Loch gegraben, um sich darin von Sophia bis zum Hals einbuddeln zu lassen.

Anna und Lisa bedecken sich mit Kies während Sina andächtig die schönsten Sternchen für ihre im Babyplanschbecken Wasser schöpfenden Krabbelgruppe sammelt.

Zwei Wannen werden von und vorbereitet mit Seife aufgeschäumt, während Rita an der Matschgrube ein Grüppchen um sich schart. Sie reibt die Kinder von Kopf bis Fuß mit Schlamm ein (Peeling, Massage und Fango in einem). Nacheinander, Rita voraus, rennen sie durch den Garten, der jetzt von Urlauten und Buschrufen erfüllt ist - so erheiternd anzusehen, dass selbst die Kleinsten glucksend lachen oder gar tapsig mitlaufen.

 

Es geht gegen Mittag. Der Lange Schlauch wird auf dem Kies ausgerollt, Dusch- und Waschzeit!

 

Schon haben sich die Kinder versammelt und warten auf den Wasserstrahl. Jonathan dreht den Hahn auf und da kommt er schon: mal fest, mal zart und nach Wunsch auch mittendrin. Unter Hopsen und Juchzen kommt die helle Haut wieder zum Vorschein.

Wer will, kann noch zur Krönung im Seifenschaum einen weißen Pelz anziehen. Doch die großen Badetücher warten schon. Die Kinder werden darin eingehüllt, abgetupft, abgerubbelt und in Ruhe eingekleidet.

Im Weidenhaus lassen sie sich wohlig erschöpft zur Schlussgeschichte nieder. Es wird ganz still. Nur von dem kleinen Entenkind das sich verlaufen hat, ist zu hören…

Psst, wir wollen nicht stören!

 

Martina Albert